9. November — Opfergedenken — Hass läuft nicht!

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Am 9. November jährt sich zum 80. Mal die Reichspogromnacht. An diesem Tag wollen wir der Opfer angemessen gedenken. Dazu werden wir verschiedene Orte nationalsozialistischer Verbrechen aufsuchen und den Geschichten der Opfer eine Stimme verleihen.

Für uns ist es unerträglich, dass an diesem Tag erneut die Rassist*innen von Pro Chemnitz durch Chemnitz marschieren. Sowohl das wöchentlich auf den Demonstrationen vertretenen Weltbild, als auch die offene Gewaltbereitschaft der Anhänger*innen zeigt, wie nahe diese Bewegung inzwischen dem historischen Faschismus steht. Wir sagen: Hass läuft nicht! Deshalb bieten wir euch die Möglichkeit, im Anschluss mit uns gegen Pro Chemnitz zu Protestieren, beziehungsweise euch dem Protest von Aufstehen gegen Rassismus Chemnitz anzuschließen.

Hier noch einmal der vollständige gemeinsame Aufruf für diesesen Tag von uns, Aufstehen gegen Rassismus Chemnitz, den Lichterwegen und vielen weiteren:

Weitere Informationen findet ihr hier: http://n3o.at/9_11_2018_aufruf.html

9.11.2018 OPFERGEDENKENHASS LÄUFT NICHT!

Der 9. November ist ein geschichtsträchtiger Tag in Deutschland. Zum 80. Mal jährt sich die Reichspogromnacht. Es jährt sich auch die Absetzung des letzten deutschen Kaisers 1918 und damit der Beginn der ersten deutschen Republik. Ein weiteres Ereignis, das sich jährt,ist der Putsch Hitlers und Ludendorfs von 1923. Des weiteren ist es der Tag des Mauerfalls 1989. Ein Tag also, an dem sich demokratische Errungenschaften der deutschen Geschichte genauso zeigen, wie die dunkelsten Abgründe dieser Gesellschaft.

Auch an diesem Tag hat Pro Chemnitz eine Freitagsdemonstration angemeldet, auf der wahrscheinlich wieder lautstark gegen Menschen gehetzt und die Abschaffung demokratischer Grundrechte gefordert sowie die Grundwerte der Humanität in Frage gestellt.

Dagegen müssen wir alle gemeinsam auf die Straße gehen! Egal, wo wir innerhalb des demokratischen Spektrums politisch stehen: Es darf nicht sein, dass an diesem Tag politisch Verfolgte, Schutzsuchende aus Kriegs– und Krisengebieten und die ökonomisch Abgehängten des globalen Kapitalismus rassistisch beleidigt oder anderweitig diffamiert werden! Es darf nicht sein, dass der Islam zum Feindbild wird – und dies ausgerechnet an dem Tag, an dem 1938 die Verfolgung einer Religionsgemeinschaft in Deutschland einen vorläufigen Höhepunkt erreichte!

Gleichzeitig zeigt sich eine Kontinuität des Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft. Antisemitische Ressentiments sind quer durch alle Gesellschaftsschichten immer noch weit verbreitet. Dieser aktuelle Antisemitismus reicht von stereotypen Vorurteilen bis zu offener Gewalt. Beispielhaft dafür ist der erneute Übergriff auf das Restaurant »Schalom« (am 27.8.), der sich nicht zufällig am Abend des Aufmarsches von Pro Chemnitz ereignet hat. Für uns bedeutet deshalb der 9.11. nicht nur Protest gegen die erstarkenden rechten Gruppen, sondern es ist ein Tag des Gedenkens an die Opfer der Pogrome und an alle, die den nationalsozialistischen Verfolgungen zum Opfer gefallen sind. Gleichzeitig protestieren wir im Namen der neuen Opfer, die nun unter den Schlagworten wie »Absaufen lassen!«, »Kasernieren und zurückschicken!« nicht nur an den Stammtischen gefordert werden.

Chemnitz ist ein Kristallisationspunkt. Hier ist etwas an die Oberfläche getreten, das auch in vielen Ländern Europas vorhanden ist und bislang an Macht gewinnt: Die Infragestellung der Demokratie mit ihren liberalen und rechtsstaatlichen Prinzipien. Chemnitz ist derzeit ein Paradebeispiel für die Mobjustiz, die Neurechte bereit sind zu praktizieren. Um die Aushebelung demokratischer Prinzipien zu stoppen, bedarf es einer Zivilgesellschaft und einer Politik, die sich aktiv dagegen positionieren: denen es an eben jener Demokratie und Humanität gelegen ist und die die Gleichwertigkeit aller Menschen als Selbstverständlichkeit begreifen.

Kommt zahlreich zur Kundgebung am Freitag, den 9. November, ab 15:00 Uhr vor den Marxkopf! Beteiligt euch an den politischen und kulturellen Veranstaltungen, die an diesem Tag stattfinden! Wir können und dürfen den Rechten Chemnitz nicht überlassen, wir werden ihnen den öffentlichen Raum wieder streitig machen. Wir alle, die in Chemnitz leben, wir, die für eine offene, vielfältige, freie Gesellschaft einstehen, müssen gemeinsam den MenschenfeindInnen und GegnerInnen der Demokratie entgegen treten. Wir müssen besonders an diesem Tag vor rechtem Gedankengut und dessen Auswirkungen warnen.

Daher sollen an dem Tag mehrere Formen des Protestes möglich sein und auch gern kombiniert werden. Kommt zum Karl-Marx-Kopf (ab 15.00) zur Kundgebung von „Aufstehen gegen Rassismus!“, kommt zu den Lichterwegen (ab 18.30), kommt zum Konzert in der Jakobikirche, geht mit den Jusos Stolpersteine putzen und erfahrt die Schicksale all derer, an die damit erinnert werden soll. Beteiligt Euch an den vielen verschiedenen Aktionen und Kulturbeiträgen, die an diesem Tag stattfinden werden. Informationen zu den verschiedenen Veranstaltungen findet Ihr im Programm, auf Facebook, aber auch auf den verschiedenen Plakaten und Flyern, die auf den Tag aufmerksam machen werden. Bleibt wachsam und kommt zahlreich am 09.11. zu den Kundgebungen!

Gemeinsam sind wir stark!

Liste der bisherigen Unterstützer*innen:

Die Buntmacher/innen

Jusos Chemnitz

Aufstehehen gegen Rassismus Chemnitz

SPD Chemnitz

SPD-Stadtratsfraktion Chemnitz

Die PARTEI Chemnitz

Student_innenrat der TU Chemnitz

Amnesty International Chemnitz

Grüne Jugend Chemnitz

smac — Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz

Wolfram Ette, Chemnitz (Freies Institut für Bildung e.V.)

Kristin Seidemann

Katrin Schapitz

MdL Klaus Bartl (DIE LINKE)

Valérie Suty

[Veto]

Linksjugend [’Solid] Chemnitz

FEMermaid

Die LINKE Chemnitz

Christian Neubauer

Piraten Chemnitz

Fraktionsgemeinschaft VOSI / PIRATEN

Bündnis 90/Die Grünen Chemnitz

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