Täterspurenrundgang 2018

Am 05.03. jährt sich zum 73. Mal das Gedenken der Bombardierung von Chemnitz durch die Alliierten. Über viele Jahre hinweg nahmen Neonazis diesen Tag zum Anlass, deutsche Täter*innen zu Opfern umzudeuten und diesen Geschichtsrevisionismus auf die Straße zu tragen. Dabei hat die Bombardierung der Stadt eine Vorgeschichte, die im Zuge des Gedenkens vergessen wird. Auch aus Chemnitz wurden Juden*innen in Vernichtungslager transportiert. Über 30000 Zwangsarbeiter*innen wurden nach Chemnitz verschleppt und zu unmenschlicher Arbeit gezwungen. In Schwerpunktbetrieben kamen Häftlinge des KZ Flossenbürg zum Einsatz. Menschen mit Behinderung wurden in Krankenhäusern sterilisiert und in Euthanasieanstalten gebracht, politische Gegner*innen wurden verfolgt. Die Deutsche Reichsbahn war beteiligt an der Deportation von Juden*innen in die Vernichtungslager, beim Transport von Zwangsarbeiter*innen sowie von Soldaten und Kriegsmaterial an die Front. All dies geschah unter den Augen der Bevölkerung.

Wie viel Chemnitz im Bezug auf die eigene Gedenkkultur noch zu lernen hat, zeigte sich im vergangenem Herbst durch die Ehrung Carl Hahns Seniors als großen Chemnitzer. Carl Hahn war als Vorstand der Autounion maßgeblich in die Kriegswirtschaft mit all ihren Auswüchsen eingebunden. Auch wenn die Gedenkplatte inzwischen zu recht wieder entfernt wurde, war in der Debatte deutlich sichtbar, dass einigen Chemnitzer*innen nach wie vor die Bereitschaft fehlt, die Täterschaft eines großen Teils der eigenen Stadtbevölkerung anzuerkennen.

Unser Startpunkt des diesjährigen Täterspurenrundgangs am 5.3. wird eben aus diesem Grund der Rote Turm sein, an dem die Gedenkplatte verlegt worden war.
Gemeinsam wollen wir eine andere Form der Gedenkkultur leben, die geschichtliche Zusammenhänge in den Blick nimmt und Täter*innen benennt. Neben der genaueren Erläuterung der Rolle Carl Hahns, soll der Weg zu weiteren Organisationen führen, die ihre Mitschuld an den Naziverbrechen trugen. Zum Beispiel fand unter der Handelskammer (IHK) die Arisierung von Gewerbebetrieben im Bezirk Chemnitz, welche sich im Eigentum von Juden befanden, statt. Im Anschluss werden wir an der Brückenstraße, Ecke Theaterstraße den Blick ein Stück weg von vergangenen Täterschaften hin zur Chemnitzer Naziszene der letzten Jahre lenken. Diese gab Terrorist*innen des NSU jahrelang Unterschlupf und Unterstützung. Sie ermöglichte so unbestreitbar die beispiellose deutschlandweite Mordserie. Am Polizeirevier an der Hartmannstraße werden wir uns der Verantwortung von Polizei und GeStaPo, als Chemnitzer „Sicherheits“-Behörden, widmen. Im Anschluss geht es weiter Richtung Falkeplatz. Die Deutsche Bank war maßgeblich an der Finanzierung der Nazi-Verbrechen, der Rüstung und der Kriegsführung beteiligt. An der Bahnhofstraße, Ecke Annaberger Straße wird es einen Beitrag zur Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit in der Auto-Union geben. Unser Täterspurenrundgang wird am Tietz enden. Hier soll die Enteignung jüdischer Unternehmen am Beispiel des Kaufhauses Schocken und einer jüdischen Bäckereikette verdeutlicht werden.

Start des Rundgangs 16.30 Uhr Roter Turm

Share