Kein Platz für Nazis: Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz ruft zu friedlichem Protest auf

Ein Zeichen gegen Rechts, ein Bekenntnis zur Demokratie: Das „Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz – Kein Platz für Nazis“ ruft die Bürgerinnen und Bürger auf, am 5. März gemeinsam friedlich gegen Nazis zu protestieren. Eine zentrale Aktion ist das Demokratie-Picknick, das ab 8 Uhr auf dem Theaterplatz stattfinden soll.

Das Bündnis hatte sich vor einem Jahr gegründet, um die zunehmende Vereinnahmung des 5. März durch Nazis zu verhindern. Der friedliche Protest führte 2010 Vereine, Verbände, Initiativen und Einzelpersonen aus Kultur, Politik, Gewerkschaft, Wirtschaft, Bildung, Sport und anderen Bereichen zusammen. Reichlich 1500 Menschen demonstrierten damals, dass die Bürgerschaft in ihren Reihen keinen Platz für Nazis hat.

Der diesjährige Aufruf ist inzwischen bereits von mehr als 125 Chemnitzerinnen und Chemnitzern unterzeichnet worden. Zu den prominenten Unterstützern zählt auch der CFC. Die Unterstützerliste ist für alle Bürgerinnen und Bürger, Institutionen und Verbände offen. Die Zeichnung ist online möglich.

Bekannte Chemnitzerinnen und Chemnitzer positionieren sich

Barbara Ludwig: „Es geht am 5. März um ein würdiges Gedenken und es geht deshalb um ein deutliches Zeichen gegen Rechts. Die menschenverachtende Ideologie der Nazis, die unvorstellbares Grauen verursacht hat, darf nicht relativiert oder missbraucht werden. Chemnitz ist kein Ort für Nazis.“

Hartwig Albiro, Schauspieldirektor i.R.: „Als Jugendlicher habe ich die Verführung national-sozialistischer Ideologie kennen gelernt und die Anfälligkeit dafür bei mir und vielen Menschen nicht vergessen. Das Erwachen bei Kriegsende war schrecklich und ist unauslöschlich! Jahrzehnte danach benutzen Braune Rattenfänger alte Theorien, neu formuliert, um Menschen zu manipulieren. Geplanten Trauermärschen und Kundgebungen rechtsradikaler Kräfte in Chemnitz und anderswo muss man vielfältig, friedlich und zahlreich entgegentreten. Wehret den Anfängen!“

Andreas Conzendorf, Superintendent: „Ich bin kein Freund lauter Demonstrationen, denn Wahrheit und Anstand haben Geschrei nicht nötig. Schweigen ist aber auch nicht immer möglich. Unser Volk und Land hat fast 50 Jahre mit radikalen politischen Verhältnissen zu tun gehabt. Wir haben allen Grund, jede Art von Radikalismus abzulehnen. Jede radikale Gesinnung, ob politisch oder religiös, nimmt Freiheit und am Ende auch das Leben. Darum ist es richtig, wenn wir radikalen Gruppen nicht nachgeben und die Straße überlassen. – Noch wichtiger aber ist es, für junge und alte Menschen solche Perspektiven und Lebensaufgaben zu schaffen, dass sie sich nicht radikalisieren lassen.“

Justin Sonder, Verfolgter des Dritten Reiches: „So etwas wie die Nazidiktatur, faschistisches Denken und Handeln, darf nie wieder passieren, darf sich nicht wiederholen! Die Millionen Toten mahnen uns, besonders die heutige Jugend, alles, wirklich alles in unseren Kräften Stehende gegen den wiederaufkeimenden Rassismus, Antisemitismus und die Ausländerfeindlichkeit zu tun. Deshalb unterstütze ich den Aufruf u. fordere alle Chemnitzerinnen und Chemnitzer auf, dies ebenfalls zu tun und am 5. März mit in die Chemnitzer Innenstadt zu kommen.“

Sabine Zimmermann, MdB: „Es ist unerträglich, wie die Nazis versuchen, alljährlich in vielen Städten Deutschlands die Geschichte für ihre Zwecke umzudeuten. Die Chemnitzerinnen und Chemnitzer, aber auch Demokratinnen und Demokraten von nah und fern dürfen den Rechtsextremen keinen Raum für ihre braune Propaganda lassen und müssen deutlich machen, dass sie damit alleine auf weiter Flur stehen.

Bereits im letzten Jahr konnte ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt werden, dass es für die Verherrlichung der NS-Zeit und der damit verbundenen Verbrechen keinen Platz in Chemnitz gibt. Ich bin zuversichtlich, dass in diesem Jahr noch mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Aufruf des Bündnisses folgen werden, so dass sich die Nazis kein Gehör für ihre Geschichtsfälscherei verschaffen können.“

Prof. Karl Clauss Dietel: „Über sechs Jahrzehnte danach habe ich den blutroten Feuerschein am Nachthimmel noch vor Augen, den ich als Kind im Heimatdorf beim Brand von Chemnitz und Dresden mit ansehen musste. Zerstörung kam ins Land zurück, aus dem sie wenige Jahre vorher mit Panzerklirren und Stuka-Geheul ausging. Wenn rechte Demagogen heute Ursache und Wirkung vergessen machen wollen, sollten aufrechte Sachsen vereint dagegen aufstehen. Wehren wir uns gegen jene, die Geschichte fälschen wollen.“

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matthes: „Ich unterstütze am 5. März das Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz, weil ich ganz persönlich der Meinung bin, dass für radikales Gedankengut in Chemnitz, in Sachsen und in ganz Deutschland kein Platz sein darf.“

Ulrike Richter, stv. Vorsitzende Kulturbeirat: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir widerspruchslos hinnehmen. Dass die neuen Nazis ihre menschenverachtende und demokratiefeindliche Ideologie auch weiterhin in Chemnitz verbreiten und etablieren wollen, ist gefährlich und nicht hinnehmbar. Deshalb unterstütze ich den Aufruf. Ich fordere alle auf, sich mit uns am 5. März, in der Chemnitzer Innenstadt, friedlich zu positionieren.“

Gabi Engelhardt, Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz – Kein Platz für Nazis!: „Genauso wie am 19. Februar in Dresden werden wir uns auch in Chemnitz den Nazis entgegenstellen und nicht hinnehmen, dass die Nazis ihre menschenverachtende und demokratiefeindliche Ideologie verbreiten oder die Geschichte relativieren.“

(Pressemitteilung vom 18. Februar 2011)

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